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auf aktuelle politische Entscheidungen.

Blog zur Aktions-Tour gegen Gen-Mais durch Bayern:

Minister Seehofer auf den Fersen...



München, den 15. September 2008

Von Stefanie Hundsdorfer

70 Prozent der Bürger/innen bundesweit und 80 Prozent der Bayern sind dafür, dass Horst Seehofer den Anbau des Gen-Mais MON810 in Deutschland verbietet. Selbst 75 Prozent der CSU-Wähler/innen sind für ein Verbot. Dies sind die Ergebnisse einer repräsentativen Emnid-Umfrage, die Campact in Auftrag gegeben hat. Zum Abschluss unserer Aktionstour gegen Gen-Mais durch Bayern haben wir die Ergebnisse heute auf dem Münchner Marienplatz im Rahmen eines Presse-Gesprächs vorgestellt (mehr zu den Ergebnissen der Umfrage). Die Zahlen verdeutlichen einmal mehr: Horst Seehofers Ablehnung, den Anbau des Gen-Mais MON810 in Deutschland zu verbieten, ist in hohem Maße undemokratisch.

Umfrage

Umfrage: Soll Minister Seehofer den Gen-Mais MON810 in Deutschland verbieten?

Thema des Presse-Gesprächs vor rund 40 Besucher/innen und Journalisten war neben dem Demokratiedefizit der Seehofer’schen Gentechnikpolitik auch deren inhaltliche Unzulänglichkeit. Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Hans Hohenester, Präsident von Naturland, Thomas Dosch, Präsident Bioland, und Walter Haefeker, Präsident des Europäischen Berufsimkerbundes und Vorstandsmitglied im Deutschen Berufs und Erwerbsimkerbund machten mit ihren Rede-Beiträgen klar: Horst Seehofers Versprechen, sich in Brüssel für einen rechtsverbindlichen Status der gentechnikfreien Regionen einzusetzen, genügt nicht, um uns vor den Gefahren der Gentechnik zu schützen. Denn ob und wann ein solcher Status der gentechnikfreien Regionen in Brüssel mehrheitsfähig sei und damit umgesetzt werden könne, stehe in den Sternen. Bis dahin aber würde weiter Gen-Mais angebaut. Daher müsse der Minister nun handeln, und das tun, was direkt in seiner Kompetenz liege: den Gen-Mais-Anbau bundesweit verbieten. Er dürfe sich nicht verstecken - weder hinter den anderen europäischen Regierungen in Brüssel noch hinter seinen Kabinettskollegen in Berlin. Sondern müsse endlich die Verantwortung für jene Politik, für die sein Ministerium verantwortlich zeichne, übernehmen.

Gemais Aktionsbild

Thomas Dosch, Hans Hohenester, Stefanie Hundsdorfer, Olaf Tschimpke und Walter Haefeker im Presse-Gespräch (von links)

Im Anschluss an das Presse-Gesprächs unterstrichen wir unsere Kritik an Seehofers Kurs mit einer Aktion. Eine große Seehofer-Puppe tanzte Walzer mit einer Europa-Figur. Gleichzeitig stiegen hunderte gelbe „Genpollen-Ballons“ auf. Die Botschaft: Seehofer schmückt sich im Wahlkampf mit gentechnikkritischen Tönen, schiebt die Verantwortung aber nur nach Brüssel ab. Hierzulande lehnt er es ab, den Gen-Mais-Anbau zu verbieten. Die Kontamination der gentechnikfreien Landwirtschaft wird so fortgesetzt.

Gemais Aktionsbild


Kempten, den 12. September 2008

Bericht von Stefanie Hundsdorfer

Kempten Horst Seehofer und Staatssekretär Gerd Müller im Gespräch mit Percy Schmeiser, Träger des Alternativen Nobelpreises

Unser Tour-Stopp in Kempten ist gelungen! Horst Seehofer besuchte unsere Veranstaltung und diskutierte mit uns. Am Ende versprach er uns, dass wir uns im Januar, nach Ende der französischen Ratspräsidentschaft wieder mit ihm treffen können. Dann können wir überprüfen, in welchem Maße Horst Seehofer seinen europapolitischen Versprechen in Sachen Gentechnik hat Taten folgen lassen - und unsere Forderung eines Anbau-Verbotes des Gen-Mais MON810 noch einmal herantragen!

Kempten Horst Seehofer im Gespräch mit uns

Zudem besuchte uns der Alternative Nobelpreisträger Percy Schmeiser, ein kanadischer Saatgutzüchter und Bauer, der sich seit Jahren gegen die brutalen Methoden des Saatgutkonzerns wehrt (mehr). Der Konzern strebt die Kontrolle über die globalen Saatgutmärkte an. In Percy Schmeisers Heimatland Kanada, wurde die Gentechnik in der Landwirtschaft im Jahr 1996 eingeführt. Inzwischen wird sie dort im großen Stil betrieben. Bio- und gentechnikfreie Landwirtschaft und Imkerei sind in Percy Schmeisers Heimat inzwischen unmöglich geworden, Kontaminationen mit Gentechnik sind der Normalfall. In Kempten appellierte Percy Schmeiser an uns, es in Europa nicht so weit kommen zu lassen - hier hätten wir - im Gegensatz zu den Menschen in Nordamerika - noch die Wahl, wir könnten uns noch gegen die Gentechnik entscheiden.

Kempten Percy Schmeiser bei seiner Rede

Mehr zu unserem Tourstopp in Kempten und unser Interview mit Percy Schmeiser, das wir in Kempten führten, finden Sie in Kürze auf unseren Internetseiten.


Regensburg, den 9. September 2008:

Bericht von Stefanie Hundsdorfer

Wir werden immer routinierter: Schon lange vor Veranstaltungsbeginn steht alles bereit, es kann losgehen: Unsere große Waage, die Popcornmaschine, gentechnikfreie Tafel und der Infostand. Wieder haben uns fleißige Helfer/innen unterstützt - danke!

Regensburg

Das Abstimmungsergebnis? Für ein Verbot!

Heute diskutieren mit uns Josef Brunnbauer, Geschäftsführer unseres Kampagnen-Partners Biokreis; Jürgen Binder, Bio-Imker und engagiert für Gentechnikfreies Europa, ein Verein der sich für ein Totalverbot der Agro-Gentechnik einsetzt; und der Demeter-Landwirt Josef Ostner, der sich gerade daran macht, eine gentechnikfreie Region zu gründen.

Regensburg

Warme Maiskolben - lecker!

Die rund achtzig Besucher/innen unserer Veranstaltung sind ein bunter Haufen: Zwei haben sich als Bauern verkleidet, und in einem Korb, gewärmt von einem Tuch, gekochte Maiskolben mitgebracht. Eine leckere Ergänzung der gentechnikfreien Tafel! Auf einer Mistgabel haben die beiden zudem Maiskolben aufgespießt und mit Kondomen überzogen, um - wie auf unserer Aktionspostkarte an Herrn Seehofer - deutlich zu machen: Gegen Gen-Mais schützt nix - nur ein Verbot!

Regensburg

Wir stellen Minster Seehofer zur Rede.

Als wir später Herrn Seehofer auf dem Weg zu seiner Veranstaltung zur Rede stellen, weiß der Minister gar nicht, wie ihm geschieht: Er bekommt natürlich einen der Maiskolben im Kondom von uns überreicht. Nur ein Verbot schützt! Der Minister hat das leider immer noch nicht kapiert. Dazu befragt, warum er den Gen-Mais in Deutschland nicht verbiete, redet er sich weiter raus, ohne uns wirklich eine Antwort zu geben. Wenig später wird er im Kolpinhaus sprechen - der Saal ist nur zu einem Drittel gefüllt.

Regensburg

Nur ein Verbot schützt, Herr Seehofer!


Nürnberg, den 5. September 2008:

Bericht von Stefanie Hundsdorfer

Die Unterstützung durch ganz viele Helfer/innen vor Ort ist überwältigend! Bereits eine halbe Stunde vor Beginn unserer Veranstaltung stehen die große Waage, Info-Stellwände, gentechnikfreie Tafel, Mikros und Stelltische. Unser frisches, selbst gemachtes Popcorn macht die Runde. Und überall schlingern gelbe Gen-Mais-stoppen Ballons im Wind – sogar an der Fassade der gegenüber gelegenen Nürnberger Gaststätte „Zur Waldschänke“, wo heute Abend Horst Seehofer auftritt.

Als wir um 17 Uhr die Veranstaltung eröffnen, sind richtig viele Leute da – wir zählen etwa 200. Auch Zeitungsjournalisten der lokalen Medien sind da, zwei Radiosender, die bayernweit und regional berichten, haben uns bereits im Vorfeld der Aktion interviewt.

Nuernberg

Wenig später geht es in die Diskussion über den Gen-Mais-Anbau: Michael Brückner, für die CSU im Nürnberger Stadtrat, Landwirt und Präsidiumsmitglied im Bayrischen Bauernverband, ist gekommen. Mit ihm debattieren Josef Wetzstein, Geschäftsführer von Bioland Bayern, Doris Hartwig, Imkerin und engagiert in der Arbeitsgemeinschaft gentechnikfreies Thurngauer Land und Fritz Wienert, Bio-Landwirt und im Beirat des Bundes Deutscher Milchviehhalter.

Nuernberg

Imkerin Doris Hartwig, Josef Wetzstein von Bioland Bayern und CSU-Stadtrat Michael Brückner (von rechts).

Die Debatte dreht sich um die Risiken des Gen-Mais MON810 und darüber, dass die Koexistenz zwischen gentechnikfreier Landwirtschaft sowie Imkerei und Gentechnik-Landwirtschaft nicht funktioniert. Und um die unglaubliche Macht des Saatgut-Konzerns Monsanto, dessen Produkt der Gen-Mais MON810 ist. Auch Michael Brückner ist für einen Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft, auch er möchte keine Gentechnik auf seinem Acker. Gleichzeitig greift er die offizielle CSU-Linie der letzten Tage auf: Zunächst einmal müsse der Status der gentechnikfreien Regionen im europäischen Recht so verändert werden, dass sich Gemeinden selbständig verbindlich gegen den Anbau von Gen-Mais auf ihrem Gebiet entscheiden könnten. Und er spricht sich dafür aus, viel Kraft in die Forschung über agro-gentechnische Anwendungen zu setzen.

Nuernberg

Mit beiden Punkten stößt Michael Brückner auf Widerspruch: Sowohl im Publikum, das im zweiten Teil der Debatte rege mitdiskutiert, als auch bei den anderen Teilnehmer/innen der Diskussion. Doris Hartwig erwidert, dass mit der Forschung oft auch eine Kontamination mit Gentechnik verbunden sei. Josef Wetzstein macht klar, dass sich Seehofer und die CSU mit ihrem Vorschlag zu den gentechnikfreien Regionen mit etwas schmückten, was schon lange überfällig sei, aber noch lange nicht ausreiche: Denn ob und wann der Vorschlag in Brüssel jemals durchkomme, stehe in den Sternen. Daher müsse Seehofer den Gen-Mais hier und jetzt verbieten, um vor den Risiken der genmanipulierten Saat zu schützen.

Nuernberg

Ein Imker in Berufskleidung auf unserer Veranstaltung.

Zum Ende der Diskussion dann die Überraschung. Aufgefordert, mit unserer großen Waage über das Gen-Mais-Verbot abzustimmen, legt Michael Brückner ohne zu zögern den Maiskolben in jene Schale, die für ein Verbot des Gen-Mais MON810 durch Seehofer steht. Ob ihn die Argumente, die er heute gehört hat, davon überzeugt haben? Nuernberg

Maiskolben in einer Schale unserer großen Abstimmungswaage: Für oder gegen ein Verbot des Gen-Mais?

Wir jedenfalls möchten bei Seehofer nicht locker lassen und begeben uns mit unseren Luftballons und Transparenten auf die andere Straßenseite. Dort muss er jeden Moment erscheinen, um zu seiner Veranstaltung zu gehen. Da kommt er auch schon. Auf unsere Fragen, warum er den Gen-Mais nicht verbietet, zeigt sich mal wieder, wie gut sich der Minister verkaufen kann. Freundlich und selbstbewusst wie immer spricht er darüber, dass es ihm zu verdanken sei, dass in Bayern in diesem Jahr nur so wenig Gen-Mais angebaut werde. Eine echte Antwort auf unsere Frage bekommen wir nicht. Später, auf Seehofers Veranstaltung, warten wir vergeblich auf eine Beteiligung des Publikums. Unbequeme Fragen sind unerwünscht. Einige unserer Gen-Mais-stoppen-Luftballons haben es aber dennoch in den Saal geschafft.

Nuernberg

Auf dem Weg zu seiner Veranstaltung stellen wir Horst Seehofer zur Rede.


Teisendorf, den 3. September 2008:

Bericht von Stefanie Hundsdorfer

Es ist ein buntes Bild auf dem Teisendorfer Marktplatz, als gegen 17 Uhr die ersten Besucher/innen eintrudeln: Körbe mit frischem Gemüse und Obst, Platten mit frisch gebackenem Gebäck und allerlei anderen Leckereien stehen auf einem langen Tisch bereit. Etwas weiter ein Bienenkorb und andere Imker-Utensilien. Ein paar Kinder spielen mit gelben Genmais-stoppen-Luftballons. Es riecht nach unserem selbstgemachten Bio-Popcorn. Wenig später beginnt vorne bei den Mikrofonen die Diskussion: Franz Obermeyer, demeter-Landwirt, Rüdiger Stegemann, Aktionsbündnis gentechnikfreie Region Oberrhein und der Imker Simon Angerpointner, aktiv beim Aktionsbündnis Zivilcourage, diskutieren über den Gen-Mais-Anbau.

Teisendorf

Wir diskutieren mit CSU-Landtagsabgeordneten Anton Kern, dem Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag Peter Ramsauer und Demeter Landwirt Franz Obermeyer.

Bis viertel vor acht lässt Peter Ramsauer, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, auf sich warten. Erst kurz vor Beginn von Seehofers Wahlkampfveranstaltung in der benachbarten Gaststätte „Wieninger’s Poststall“ stattet der CSU-Spitzenpolitiker unserer Diskussionsrunde draußen, in Sichtweite der CSU-Veranstaltung, seinen Besuch ab.

Vorausgegangen sind in den Tagen zuvor etliche Telefonate mit dem Büro Ramsauer: Dem Politiker sei es sehr wichtig, mit uns zu diskutieren – er könne aber wegen seines vollen Zeitplans nicht sicher zusagen. Und dann, nachdem wir die Presse zu unserer Veranstaltung eingeladen haben, noch einige aufgeregte Telefonate: In der Presse sei berichtet worden, dass Herr Ramsauer sicher zu unserer Diskussionsrunde kommen würde – damit würde der Politiker nicht gut dastehen, falls er es terminlich nicht schaffen sollte. Wir beschwichtigen, schicken eine Richtigstellung an die Presse. Schließlich ist der als gentechnikkritische geltende Politiker ein wichtiger Gesprächspartner in der CSU. Und eines ist nach all den Gesprächen klar: Es ist Herr Ramsauer tatsächlich wichtig, mit den bayerischen Wähler/innen über das Thema Gentechnik zu sprechen – und dabei eine gute Figur zu machen.

Teisendorf

Ramsauer kann sich entscheiden: Für oder gegen ein Anbauverbot von MON810

Dass sich mit dem Thema Gentechnik Wählerstimmen gewinnen lassen, scheint Herr Ramsauer schon vor Monaten verstanden zu haben. Bereits im April veröffentlichte er, gemeinsam mit Parteikollegen wie Alois Glück, ein Positionspapier gegen den Einsatz von Gentechnik in der bayrischen Landwirtschaft (Positionspapier). Wählerstimmen gewinnen will Herr Ramsauer wohl auch unter den rund 100 Zuschauer/innen unserer Veranstaltung in Teisendorf. Selbstbewusst tritt der Politiker auf und versucht, sich möglichst gentechnikkritisch zu geben.

Ramsauer spricht er sich dafür aus, dass das EU-Recht so geändert werden müsse, dass gentechnikfreie Regionen nach europäischem Recht verbindlich deklariert werden können. Gemeinden könnten dann den Gen-Mais MON 810 selbstständig verbieten. Hinter unsere Forderung, den Gen-Mais MON810 bundesweit zu verbieten, stellt sich Ramsauer hingegen nicht. Dass sechs andere EU-Staaten den Gen-Mais bereits verboten haben, bezeichnet er als ohne Grundlage im EU-Recht – und ignoriert, dass Nationalstaaten in der EU eine Gentechnikpflanze verbieten können, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Risiken der Pflanze vorliegen.

Ramsauer begibt sich damit ganz auf die neue offizielle CSU-Linie: Angesichts der massiven Ablehnung der Agro-Gentechnik in der Bevölkerung und der herannahenden Wahl wollen sich seit ein paar Tagen in der CSU plötzlich viele für die gentechnikfreien Regionen einsetzen – sowohl Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer im EU-Ministerrat als auch der bayerische Europaminister Markus Söder im Brüsseler Ausschuss der Regionen. Wer genauer hinschaut, merkt sofort, wie ungenügend und unglaubwürdig diese Wahlkampfversprechen sind: Söders Initiative ist schon alleine daher zum Scheitern verurteilt, weil der Ausschuss der Regionen ein im Brüsseler Tagesgeschäft völlig unbedeutendes Beratungsgremium ohne Entscheidungskompetenz ist. Seehofer ist unglaubwürdig, da er seine Wähler/innen auf eine Regelung vertröstet, die er in einem hochkomplexen Entscheidungsapparat in Brüssel mit völlig ungewissem Ausgang aushandeln müsste – und gleichzeitig das ablehnt, was er jetzt sofort tun könnte: den Gen-Mais-Anbau hierzulande verbieten. Dennoch: Dass die CSU in den letzten Tagen derart gentechnikkritische Töne anschlägt, zeigt, dass die Partei begriffen hat, dass sie auf die Ablehnung der Gentechnik bei den bayerischen Wähler/innen Rücksicht nehmen muss. Unsere Aktionstour setzt genau da an, wo es Seehofer richtig weh tut!

Doch eine positive Überraschung zaubert Ramsauer bei seinem Blitzbesuch noch aus dem Hut: Er spricht sich dafür aus, dass auch künftig die Regierungen im EU-Ministerrat an den Entscheidungen über die Zulassung von Gentechnik-Produkten für den europäischen Markt beteiligt werden sollen. Auch wenn die demokratisch gewählten Regierungen viel zu wenig auf uns Bürger/innen hören, ist Ramsauers Position zu begrüßen. Denn geht es nach Horst Seehofer, hätten wir Bürger/innen bei den Gentechnik-Zulassungen bald gar keinen Einfluss mehr. Der Minister will nämlich, dass der Ministerrat künftig nicht mehr mit entscheiden darf, ob Gentechnik zugelassen wird. Alleine die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA), deren Wissenschaftler für ihre Verstrickungen mit der Gentechnik-Industrie bekannt sind, soll entscheiden – und der Gentechnik den Durchmarsch ermöglichen.

Als Ramsauer gehen möchte, fordern wir ihn auf, einen Maiskolben in eine Schale unserer großen Waage zu legen und abzustimmen, wofür er ist: für oder gegen ein Verbot des Gen-Mais. Ramsauer hat es plötzlich eilig. Doch dann springt er über seinen Schatten – und legt den Maiskolben in „Nein: gegen ein Verbot“. Ein Missverständnis? Denn laut seiner Wahlkampfrhetorik ist der Politiker ja für ein Verbot von Gen-Mais – nicht jetzt bundesweit durch Minister Seehofer, sondern irgendwann vielleicht durch die Kommunen. Wenig später, wir haben die Veranstaltung bereits beendet, klingelt unser Handy. Ein besorgter Herr Ramsauer ist dran: Das mit dem „Nein“ sei ein Missverständnis gewesen. Er sei natürlich gegen den Anbau des Gen-Mais. Nur damit hier kein falsches Bild entstehe. Bei den bayerischen Wähler/innen.

Teisendorf

Traditionell bayerisch: Die CSU-Wahlkampfveranstaltung


München, den 28. August 2008:

Es schreibt: Christoph Bautz

„Alle haben mir gesagt, geh da nicht hin, aber ich geh da gerade hin!“ Horst Seehofer weiß wie man Zuhörer gewinnt, die einem eigentlich nicht wohl gesonnen sind. Bei seinem Besuch bei unserem ersten Tourstopp vor dem Münchner Hofbräukeller spielt er all sein rhetorisches Geschick aus. Er präsentiert sich als der gute Bube der Koalition, der ja eigentlich auch auf unserer Seite steht, aber halt nicht anders kann.

Seehofer

Viel Publikum hat er bei unserer Aktion im Münchner Osten. Weit über 150 Menschen sind gekommen – Imker, Landwirte, Verbraucher/innen, Kommunal- und Landespolitiker verschiedener Parteien, Aktive verschiedenster Umwelt- und Bioverbände und viele Campact-Aktive von vor Ort. Viele packen anfangs kräftig mit an, denn die von der Stadt München genehmigte Versammlungsfläche erweist sich an Privatgrundstück des Hofbräukellers. Unseren umfangreichen Materialien müssen abgebaut und einige Meter weiter wieder aufgebaut werden

Kurz nach 18.00 Uhr steht alles. Mit einer großen Waage laden wir Passanten sowie Besucher/innen unserer und der CSU-Veranstaltung ein, über ein Anbauverbot des Gen-Mais MON810 abzustimmen. Zahlreiche Gruppen haben Infostände aufgebaut und mit einer gentechnikfreien Tafel ist auch für das leibliche Wohl gesorgt. Die Jazz-Kombo Jimbo-Jazz spielt auf und sorgt für gute Stimmung.

Seehofer

Auf dem Podium steigen wir in eine erste Diskussion mit Thomas Dosch, Präsident von Bioland Deutschland, Andreas Bauer vom Münchner Umweltinstitut, Edith Lirsch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Walter Häfeker vom Europäischen Erwerbsimkerbund ein. Schnell schalten sich auch viele Aktionsteilnehmer/innen und Landespolitiker/innen in die Debatte ein.

Leicht verspätet trifft dann gegen 18.45 Uhr Horst Seehofer zusammen mit seinen Bodyguards ein – dort, wo er nicht hingehen soll, aber trotzdem hingeht. Er preist erst einmal die Einschränkungen, die es unter seiner Ägide gegen Gentechnik in der Landwirtschaft erlassen wurden – Beibehaltung der Haftungsregeln, Beschluss von Mindestabständen, freiwillige Positivkennzeichnung „Ohne Gentechnik“.

In Sachen Gen-Mais MON810 schränkt er erstmal ein, dass er eingebunden sei in eine Koalition, wo er auch nicht schalten und walten könne, wie er wolle. Doch für ein Verbot will er sich dann doch nicht aussprechen. Er versucht sich immer wieder auf die europäische Ebene zu flüchten. Dort wolle er durchsetzen, dass EU-Staaten bzw. ihnen untergeordnete Gebietskörperschaften wie Bundesländer, Bezirke oder Landkreise grundsätzlich über den Anbau von prinzipiell von der EU zugelassenen Gen-Pflanzen entscheiden dürfen. Die in vielen Gegenden mittlerweile auf freiwilliger Basis entstandenen Gentechnikfreien Regionen erhielten einen verbindlichen Rechtsstatus. Bisher müssen EU-Staaten nach der EU-Freisetzungsrichtlinie ein Verbot mit länderspezifischen und auf die jeweilige Pflanze bezogenen Argumenten begründen. Genau hiervor schreckt Seehofer weiter zurück.

Seehofer

Die EU-Ebene hat Seehofer geschickt gewählt – dort muss er sich schließlich mit weiteren 26 Amtskollegen einigen. Kommt sein Vorschlag nicht durch, sind die anderen Schuld. Er gab sich zumindest optimistisch, bis zur Bundestagswahl den verbindlichen Rechtsstatus Gentechnikfreie Region unter Dach und Fach zu haben. Und bekundete seine weitere Bereitschaft zu Dialog. Hierfür nahm er sich auch nach Ende der Diskussion auf dem Podium reichlich Zeit und verweilte weitere 20 Minuten im Gespräch mit den Aktionsteilnehmer/innen.

Heute war erst der erste Streich. Wir werden uns weiter an Seehofers Fersen heften und Druck für ein Anbauverbot des Gen-Mais MON810 machen. Sechs europäischen Amtskollegen von Seehofer haben genau dieses in ihren Ländern erlassen. Schon unser erfolgreiche Kampagne gegen eine Verwässerung der Haftungsregeln im Gentechnik-Gesetz hat gezeigt: Wenn Seehofer Druck bekommt, bewegt er sich. Für den werden wir sorgen!

Seehofer


Kitzingen, den 27. August 2008:

Es schreibt: Stefanie Hundsdorfer

Bereits um kurz vor sechs kriechen wir aus den Betten der Jugendherberge, in der wir heute übernachtet haben. Schnell einen Happen zum Frühstück - und schon geht es los: Im Tourbus an den Rand eines der wenigen Gen-Mais-Felder, auf denen in Bayern kommerziell Gen-Mais angebaut wird.

Hier soll heute unsere Auftaktaktion für unsere Aktionstour gegen Gen-Mais durch Bayern steigen: 1000 gelbe Luftballons möchten wir vom Rande des Gen-Mais-Feldes aufsteigen lassen. Diese Luftballons sollen die Gen-Pollen symbolisieren, die über 100 Kilometer weit fliegen und die gentechnikfreie Landwirtschaft verunreinigen. Eine große Seehofer-Puppe auf Stelzen soll versuchen, die Pollen mit einem Fliegennetz einzufangen. Natürlich vergeblich. Denn vor Gen-Mais schützt nur eins: Ein Verbot. Zeitlich vor dieser Aktion möchten wir ein Pressegespräch zum Thema Gen-Mais abhalten.

Transparent

Wenig später stehen wir auf einem Feldweg - ringsrum überall Maisfelder. Gleich nebenan auch das Gen-Mais-Feld. Das Wetter scheint es gut mit uns zu meinen. Die Sonne kündigt sich über den Feldern an, es scheint ein sonniger Tag zu werden. Und auch die Polizei meint es gut mit uns: Wir dürfen weiter ans Gen-Mais-Feld ran, als gedacht. Und dennoch: Bevor die Aktion steigen kann, müssen wir noch einiges schaffen: Wir müssen 1000 Luftballons mit Helium füllen und in einen 35 Meter langen Schlauch packen, den wir auf dem Feldweg befestigen. Ob wir das bis 10:30 schaffen? Drei Stunden haben wir noch Zeit.


Bus

1000 Luftballons zu befüllen: Vorbereitung der Aktion.


Bus

Helium in die Ballons: Damit die Gen-Pollen fliegen!

10:00 Uhr: Alles paletti, die Luftballons sind befüllt und im Plastikschlauch zur Aktion bereit. Auch dank der vielen Helfer/innen aus der Region. Und auch die Anlage und Tische für das Presse-Gespräch, die Luftballons, das Transparent, der Tisch mit den Getränken stehen. So langsam trudeln die ersten Journalisten und Besucher/innen ein. Und auch Stelzen-Läufer Christof ist inzwischen eingetroffen.

10:30 Uhr: Vor rund fünfzig Besucher/innen beginnen wir unser Presse-Gespräch. Thomas Dosch, Präsident von Bioland, Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes sowie Eberhard Räder, Vorstandsmitglied von Naturland Bayern und Bio-Landwirt aus der Region Unterfranken, geben Hintergrundinformationen zum Gen-Mais-Anbau in Deutschland. Journalisten von ddp, dpa, bayrischem Rundfunk sowie zahlreiche Lokal-Journalisten sind anwesend.

Bus

Manfred Hederer, Eberhard Räder, Thomas Dosch und Stefanie Hundsdorfer (von links) im Presse-Gespräch.

11.00 Uhr: Wir starten die Aktion: Rupert schneidet langsam den Plastikschlauch auf, in denen die Luftballons sind. Christof läuft als großer Herr Seehofer auf Stelzen nebenher und versucht, die Pollen mit dem Fliegennetz einzufangen. Ein eindrückliches Bild: Die gelben Luftballons steigen aus den sonnendurchfluteten Mais-Feldern in den blauen Himmel empor!

Bus

Gen-Pollen fliegen vom Gen-Mais-Feld auf: Nur ein Verbot schützt, Herr Seehofer!


Bus

Ein Großteil der Pollen entschlüpft: Vor Gen-Mais schützt nur ein Verbot.


Verden, den 26. August 2008:

Es schreibt: Stefanie Hundsdorfer

Heute morgen haben wir alles in unseren Aktionstour-Bus gepackt. Und schon sind wir auf dem Weg nach Bayern...

Bus

Wir beladen den Aktionstour-Bus.



In Kitzingen angekommen, bereiten wir noch die letzten Dinge für die Auftaktaktion morgen früh vor.

Seehofer

Puppen-Bauer Tobias Husemann gibt unserer Seehofer-Puppe für die Auftaktaktion morgen früh den letzten Schliff.


Verden, den 25. August 2008:

Jetzt wird es ernst: Morgen früh werden wir mit unserem Tourbus gen Bayern aufbrechen. Noch müssen wir letzte Vorbereitungen hinter uns bringen...

Rupert

Campact-Mitarbeiter Rupert Richter organisiert schon seit Wochen die Aktions-Tour.

Kartons

Kisten über Kisten stapeln sich im Campact-Büro: mit Info-Material, Bannern, gentechnikfreiem Essen,...


Verden, den 20. August 2008:

Die Vorbereitungen für unsere Aktionstour gegen Gen-Mais gehen in ihre heiße Phase: Schon nächsten Dienstag werden wir mit unserem Aktionstour-Bus gen Süden aufbrechen, um uns Herrn Seehofer im bayrischen Wahlkampf an die Fersen zu heften. Am nächsten Mittwoch soll unsere Auftakt-Aktion nahe eines Genmais-Feldes bei Kitzingen steigen. Am Tag darauf möchten wir mit Minister Seehofer in München diskutieren.

Davor gibt es noch viel zu tun: Plakate müssen gedruckt, gentechnikfreie Tafeln organisiert, Übernachtungsmöglichkeiten beschafft und Politiker müssen informiert werden. Hier in Verden arbeiten viele Hände und Köpfe fieberhaft, damit es nächste Woche losgehen kann.

Bild zur Aktionstour gegen den Gen-Mais

Doch auch wenn wir bis zum Start noch viel schaffen müssen, eines zeichnet sich bereits jetzt ab: Die Tour wird spannend! Dafür sorgen nicht zuletzt die viele Aktiven vor Ort, die sich mit kreativen Aktionen beteiligen möchten. Herzlichen Dank!

Bjoern

Campact-Mitarbeiter Björn Meyer beim Packen des Materials für die Tour.

Zudem bekommen wir immer mehr Zusagen von Politikern und Gentechnik-Expert/innen für unsere Diskussionsveranstaltungen vor Ort. Besonders toll ist, dass Minister Seehofer am nächsten Mittwoch zu unserer Veranstaltung kommen möchte und mit uns diskutieren!

Zudem stehen seit heute zwei weitere Highlights der Tour: Dr. Gerd Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, möchte am 12. September zu unserer Diskussionsveranstaltung nach Kempten kommen. Die Debatte mit dem in Sachen Gentechnik versierten Politiker verspricht spannend zu werden!

Und unsere Veranstaltung in Kempten hat noch mehr zu bieten: Seit heute wissen wir, dass der kanadische Bauer und Saatgutzüchter Percy Schmeiser, weltweite Symbol-Figur für den Widerstand gegen die brutalen Methoden des internationalen Saatgutmultis Monsanto (mehr) ab 18:30 auf unsere Veranstaltung kommen wird, um uns von seinem Kampf gegen Monsanto zu erzählen. Es wird die Möglichkeit zur Diskussion und zu Fragen an Percy Schmeiser bestehen.



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Biokreis BOLW Bioland DNR keine gentechnik Zivilcourage BUKO AGRAR Schrot und Korn Münchner Umweltinstitut Deutscher Berufs und Erwerbs Imker Bund Mellifera e.V. Bantam Naturfreunde Grüne Liga Jugendorganisation Bund Naturschutz Ökostadt Rheinland Ekoconnect Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e. V. Fruitlife INKOTA Netzwerk e.V.