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auf aktuelle politische Entscheidungen.
Nürnberg, den 5. September 2008:
Bericht von Stefanie Hundsdorfer
Die Unterstützung durch ganz viele Helfer/innen vor Ort ist überwältigend! Bereits eine halbe Stunde vor Beginn unserer Veranstaltung stehen die große Waage, Info-Stellwände, gentechnikfreie Tafel, Mikros und Stelltische. Unser frisches, selbst gemachtes Popcorn macht die Runde. Und überall schlingern gelbe Gen-Mais-stoppen Ballons im Wind – sogar an der Fassade der gegenüber gelegenen Nürnberger Gaststätte „Zur Waldschänke“, wo heute Abend Horst Seehofer auftritt.
Als wir um 17 Uhr die Veranstaltung eröffnen, sind richtig viele Leute da – wir zählen etwa 200. Auch Zeitungsjournalisten der lokalen Medien sind da, zwei Radiosender, die bayernweit und regional berichten, haben uns bereits im Vorfeld der Aktion interviewt.
Wenig später geht es in die Diskussion über den Gen-Mais-Anbau: Michael Brückner, für die CSU im Nürnberger Stadtrat, Landwirt und Präsidiumsmitglied im Bayrischen Bauernverband, ist gekommen. Mit ihm debattieren Josef Wetzstein, Geschäftsführer von Bioland Bayern, Doris Hartwig, Imkerin und engagiert in der Arbeitsgemeinschaft gentechnikfreies Thurngauer Land und Fritz Wienert, Bio-Landwirt und im Beirat des Bundes Deutscher Milchviehhalter.
Imkerin Doris Hartwig, Josef Wetzstein von Bioland Bayern und CSU-Stadtrat Michael Brückner (von rechts).
Die Debatte dreht sich um die Risiken des Gen-Mais MON810 und darüber, dass die Koexistenz zwischen gentechnikfreier Landwirtschaft sowie Imkerei und Gentechnik-Landwirtschaft nicht funktioniert. Und um die unglaubliche Macht des Saatgut-Konzerns Monsanto, dessen Produkt der Gen-Mais MON810 ist. Auch Michael Brückner ist für einen Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft, auch er möchte keine Gentechnik auf seinem Acker. Gleichzeitig greift er die offizielle CSU-Linie der letzten Tage auf: Zunächst einmal müsse der Status der gentechnikfreien Regionen im europäischen Recht so verändert werden, dass sich Gemeinden selbständig verbindlich gegen den Anbau von Gen-Mais auf ihrem Gebiet entscheiden könnten. Und er spricht sich dafür aus, viel Kraft in die Forschung über agro-gentechnische Anwendungen zu setzen.
Mit beiden Punkten stößt Michael Brückner auf Widerspruch: Sowohl im Publikum, das im zweiten Teil der Debatte rege mitdiskutiert, als auch bei den anderen Teilnehmer/innen der Diskussion. Doris Hartwig erwidert, dass mit der Forschung oft auch eine Kontamination mit Gentechnik verbunden sei. Josef Wetzstein macht klar, dass sich Seehofer und die CSU mit ihrem Vorschlag zu den gentechnikfreien Regionen mit etwas schmückten, was schon lange überfällig sei, aber noch lange nicht ausreiche: Denn ob und wann der Vorschlag in Brüssel jemals durchkomme, stehe in den Sternen. Daher müsse Seehofer den Gen-Mais hier und jetzt verbieten, um vor den Risiken der genmanipulierten Saat zu schützen.
Ein Imker in Berufskleidung auf unserer Veranstaltung.
Zum Ende der Diskussion dann die Überraschung. Aufgefordert, mit unserer großen Waage über das Gen-Mais-Verbot abzustimmen, legt Michael Brückner ohne zu zögern den Maiskolben in jene Schale, die für ein Verbot des Gen-Mais MON810 durch Seehofer steht. Ob ihn die Argumente, die er heute gehört hat, davon überzeugt haben?
Maiskolben in einer Schale unserer großen Abstimmungswaage: Für oder gegen ein Verbot des Gen-Mais?
Wir jedenfalls möchten bei Seehofer nicht locker lassen und begeben uns mit unseren Luftballons und Transparenten auf die andere Straßenseite. Dort muss er jeden Moment erscheinen, um zu seiner Veranstaltung zu gehen. Da kommt er auch schon. Auf unsere Fragen, warum er den Gen-Mais nicht verbietet, zeigt sich mal wieder, wie gut sich der Minister verkaufen kann. Freundlich und selbstbewusst wie immer spricht er darüber, dass es ihm zu verdanken sei, dass in Bayern in diesem Jahr nur so wenig Gen-Mais angebaut werde. Eine echte Antwort auf unsere Frage bekommen wir nicht. Später, auf Seehofers Veranstaltung, warten wir vergeblich auf eine Beteiligung des Publikums. Unbequeme Fragen sind unerwünscht. Einige unserer Gen-Mais-stoppen-Luftballons haben es aber dennoch in den Saal geschafft.
Auf dem Weg zu seiner Veranstaltung stellen wir Horst Seehofer zur Rede.
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